Kunstgeschichte: Deutsch-tschechischer Dialog

Von der Secession bis zur Gegenwart — Prag als Labor der mitteleuropäischen Moderne

Verfolgen Sie den künstlerischen Dialog zwischen tschechischen und deutschsprachigen Kreativen vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Am Beispiel Prags — einer Stadt, in der panslawische Bestrebungen, habsburgischer Institutionalismus und deutsche Avantgarde jahrhundertelang aufeinandertrafen — entdecken Sie, wie die mitteleuropäische Moderne entstand.

Folgen Sie dem Weg von der Wiener Secession und ihrer Prager Rezeption (Mánes, Kotěra, Šalda) über den expressionistischen Umbruch nach Edvard Munchs Ausstellung 1905 bis zum tschechischen Kubismus — dem einzigen Ort der Welt, an dem der Kubismus von der Leinwand auf Gebäude übersprang — und zur funktionalistischen Architektur von Adolf Loos und dem Messepalast.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Prager Secession (1928–1937), einer Vereinigung deutschsprachiger Künstler, die den Nationalismus ablehnten und sich zur tschechoslowakischen Demokratie bekannten. Sie erfahren von den Frauen dieser Bewegung (Mary Duras, Charlotte Radnitz auf der Biennale Venedig 1926) und wie ihre Beiträge nach 1945 systematisch aus der tschechischen Geschichtsschreibung getilgt wurden.

  • Wiener Secession und Prager Echo: Mánes, Kotěra, Šalda
  • Tschechischer Kubismus: die einzige kubistische Architektur der Welt
  • Adolf Loos und die Villa Müller: das Raumplan-Konzept erleben
  • Die vergessene Prager Secession (1928–1937) und ihre Wiederentdeckung
  • Zeitgenössische Kunst: MeetFactory und DOX Zentrum
Freie Plätze
Termine
6.–11. Juni 2027
21.–26. November 2027
Dauer
5 Tage (Mo–Fr)
Umfang
40 Unterrichtseinheiten (je 45 Min.)
Teilnehmerzahl
10–20 Personen
Ort
Prag, Tschechische Republik
Kursleitung
Kateřina Toperczerová
Preis
850 €
Anerkennung
Als Bildungsurlaub anerkannt (Zertifizierung in Vorbereitung)
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Programm

Sonntag: Individuelle Anreise nach Prag, Hotel-Check-in.

Montag — Wie Prag zum Labor wurde: Secession und die Wiener Achse (8 UE)
ZeitThemaUE
09:00–10:30Einführung und Orientierung. Prag als Schnittpunkt: Warum tschechische und deutschsprachige Künstler hier seit 1796 gemeinsam studierten, ausstellten und stritten. Die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde, die Kunstakademie — ein zweisprachiges Umfeld von Anfang an.2
10:45–13:00Die Wiener Secession und ihr Prager Echo: der Verein Mánes und die Zeitschrift Volné směry als tschechisches Pendant zu Ver Sacrum. F. X. Šalda und die Einführung der internationalen Avantgarde in Prag. Otto Wagner und seine Schüler — Kotěra, Plečnik, Hoffmann: die „Gründergeneration", die Wiener Rationalismus nach Böhmen brachte und slawische Motive hinzufügte.3
15:00–17:15Exkursion: Messepalast (Nationalgalerie) — Dauerausstellung „Kunst des langen Jahrhunderts". Mánes neben Klimt neben Picasso: warum Kuratoren bewusst tschechische und internationale Kunst mischen. Das Gebäude selbst: ein funktionalistisches Juwel von 1928, beinahe zerstört durch den Brand von 1974.3
Dienstag — Der Schock des Neuen: Expressionismus trifft Prag (8 UE)
ZeitThemaUE
09:00–10:30Edvard Munchs Prager Ausstellung (1905) — das Ereignis, das die Kunstwelt spaltete. Die Acht (Osma): junge tschechische Maler, die sich mit Die Brücke und Der Blaue Reiter verbündeten. Bohumil Kubišta und Emil Filla.2
10:45–13:00Expressionismus als transnationale Sprache: kontrastierende Farben, verzerrte Formen, existenzielle Angst — dieselbe Grammatik in Dresden, München und Prag. Expressionistisches Kino und sein Einfluss auf die visuelle Kultur mitteleuropäischer Städte.3
15:00–17:15Exkursion: Expressionistische und frühkubistische Werke im Messepalast (Kubišta, Filla, Osma-Gruppe). Spaziergang durch Orte der ersten modernen Künstler: Cafés, Ateliers, Ausstellungsräume.3
Mittwoch — Gebäude, die denken: Kubismus, Funktionalismus, Loos (8 UE)
ZeitThemaUE
09:00–10:30Tschechischer Kubismus: der einzige Ort der Welt, an dem der Kubismus von der Malerei auf Architektur und Möbel übersprang. Haus zur Schwarzen Muttergottes (Josef Gočár, 1912), Diamanthaus (Emil Králíček, 1913), die kubistische Straßenlaterne unterhalb des Vyšehrad.2
10:45–13:00Adolf Loos in Prag: Villa Müller (1930) und das Raumplan-Konzept — Räume, die auf verschiedenen Ebenen ineinanderfließen. Messepalast (Tyl & Fuchs, 1928): bei seiner Eröffnung das größte funktionalistische Gebäude der Welt.3
15:00–17:15Exkursion: Villa Müller (Střešovice) — Innenbesichtigung mit Raumplan-Erläuterung. Haus zur Schwarzen Muttergottes — Kubismus-Museum und Grand Café Orient. Spaziergang durch kubistische Bauten.3
Donnerstag — Die Prager Secession und das ausgelöschte Gedächtnis (8 UE)
ZeitThemaUE
09:00–10:30Die Prager Secession (1928–1937): eine Vereinigung deutschsprachiger Künstler, die den Nationalismus ablehnten. Neue Sachlichkeit. Frauen der Bewegung: Mary Duras, Charlotte Radnitz (Biennale Venedig 1926), Gabriele Waldert, Grete Passer.2
10:45–13:00Münchner Abkommen, NS-Besatzung, Nachkriegsvertreibung — und die gezielte Tilgung ihres Werks aus der tschechischen Geschichtsschreibung. Der Brand des Messepalastes (1974): eine Metapher für das Verhältnis des Regimes zum modernistischen Erbe.3
15:00–17:15Exkursion: Rudolfinum — Hauptausstellungsort der Prager Secession. Spaziergang durch die Viertel der deutschsprachigen Kulturgemeinschaft. Diskussion der Ausstellung „Junge Löwen im Käfig" (2013).3
Freitag — Die Schuld begleichen: Von 1989 bis heute (8 UE)
ZeitThemaUE
08:00–10:15Nach 1989: Wiederentdeckung des deutschsprachigen Kulturerbes. Collegium Bohemicum. „Junge Löwen im Käfig" (2013). Die Achse Prag–Berlin heute: Residenzprogramme, Festivals. MeetFactory — das größte Atelierprogramm Mitteleuropas. Prager Quadriennale.3
10:30–12:00Exkursion: MeetFactory (Holešovice) — Atelierbesuch, Treffen mit Stipendiaten. DOX Zentrum für zeitgenössische Kunst — aktuelle Ausstellung.2
12:45–15:00Abschlussdiskussion: Was nehmen Sie mit, was hat Sie überrascht, wie hat sich Ihr Blick auf Prag verändert. Kursreflexion, Plenardiskussion und Abschluss.3

Dozent:innen

Kateřina Toperczerová

Kursleitung

N.N.

Kunsthistoriker:in — Nationalgalerie, AVU oder UMPRUM

N.N.

Architekturführer:in — Kubismus und Funktionalismus

N.N.

Kontakt Zeitgenössische Kunst — MeetFactory oder DOX

Veranstaltungsorte & Exkursionen

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